Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Aschaffenburg

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Inhalt: Bundeswasserstraße Main

Zur Geschichte der Wasserstraße Main

Die Schifffahrt auf dem Main ist so alt wie die Besiedlung seines Tales. Bereits zu Zeiten der Römer und Franken herrschte lebhafter Verkehr mit landwirtschaftlichen Produkten, die auf dem Wasserweg transportiert wurden. Insbesondere wurden auch Holz und Buntsandstein aus der Region nach Mainz geflößt.

Bild Schiff "Nidda"

Als erste umfassende Maßnahme zur Förderung der Schiffbarkeit am Main wurde 1846 die Mittelwasserkorrektion beschlossen und in ca. 30jähriger Arbeit durchgeführt. Von der Mündung bis Bamberg wurden Buhnen und Parallelwerke angelegt, um auch bei jahreszeitlich bedingter Wasserknappheit eine Fahrrinne mit genügender Wassertiefe für die Schifffahrt zu bilden.
Allerdings erfüllten diese Maßnahmen die gestellten Erwartungen nicht. Nachdem auf dem Rhein bereits die Dampfschifffahrt eingeführt war und im Laufe der allgemeinen technischen Entwicklung immer größere Schiffe aus Eisen im Schleppverband verkehrten, konnten derartige Schiffe auf dem Main nur ausnahmsweise bei höheren Wasserständen bis Frankfurt fahren. Diese Schiffe konnten dann auch nicht mehr mit Pferden gezogen – "getreidelt" – werden, sondern mussten mit Dampfschiffen geschleppt werden. Die "Frankfurter Dampfschleppschiffahrtsgesellschaft" betrieb ab 1845 die Strecke von Frankfurt bis zur Mündung. Doch bereits 1858 mussten diese Raddampfer zum Rhein vermietet werden, da die geringe Fahrwassertiefe des Mains einen geregelten und rationellen Betrieb nicht zuließ und gleichzeitig die Eisenbahn ab 1854 als Konkurrent auftrat.


Auf Drängen der Stadt Frankfurt wurde eine "Übereinkunft zwischen dem Königreich Preussen, dem Königreich Bayern sowie den Großherzogtümern Baden und Hessen über die Kanalisierung des unteren Mains" von der Mündung bis Frankfurt ausgehandelt und am 01. Februar 1883 in Berlin abgeschlossen.

Dieses Ereignis kennzeichnet den Beginn Mainausbaus zu einer modernen Wasserstraße.

Im Oktober 1883 wurde mit den "Main-Canalisierungs-Bauten" begonnen. Die Gesamtfallhöhe des Mains von 10,40 m auf dieser Strecke wurde auf die fünf Staustufen in Frankfurt-Niederrad, Höchst, Okriftel, Flörsheim und Kostheim verteilt. Jede Staustufe bestand aus einem Nadelwehr, einem Fischpass, einer Floßgasse und einer Schleusenanlage für die Güterschifffahrt. Der Frankfurter Westhafen wurde ebenfalls im Jahre 1886 vollendet.

Als die Anlagen am 16. Oktober 1886 feierlich in Betrieb genommen wurden, war Frankfurt jederzeit für Güterschiffe mit 1000 Tonnen Ladung erreichbar. Das Zeitalter der modernen Großschifffahrt hatte für den Untermain begonnen.

Die Erschließung der Flusslandschaft beschränkte sich nicht nur auf die verkehrlichen Vorteile, auch die Ansiedlung von Handel, Gewerbe und Industrieanlagen und damit Schaffung von Arbeitsplätzen wurde wesentlich beeinflusst.

Die Notwendigkeit eines Mainausbaus für die Stadt Frankfurt gibt eine Notiz im "Generalanzeiger" vom 15. Oktober 1886 treffend wieder. Dort heißt es:

"Frankfurts Handel bestand – da es Jahre lang nichts zu seiner Hebung tat – schließlich fast nur noch im Geldhandel, von dem Eingeweihtere wie wir sogar wissen wollten, das er auch in der Abnahme begriffen ist. Es musste etwas geschehen, was den Warenverkehr wieder in und durch Frankfurt zu führen geeignet war und dieser Einsicht verdanken die Hafenanlagen und Mainkanalisierung ihre Entstehung."

Die unmittelbar nach dem Ausbau einsetzende starke Verkehrsentwicklung bestätigte den volkswirtschaftlichen Nutzen der Maßnahme voll.

Während der Verkehr im Bereich von Kostheim vor 1886 nur etwa 18 000 Tonnen betrug, stieg die Menge bis 1900 auf 2 000 000 Tonnen an, wozu noch der Verkehr von Holzflößen kam.

Dieser erheblich über die ursprünglichen Annahmen hinausgehende Verkehr erforderte bereits in den ersten Jahren nach der Betriebseröffnung durchgreifende Ergänzungen, die hauptsächlich in der Vertiefung der Fahrrinne und Verlängerung der Schleusenkammern bestanden.

Gleichzeitig wurde versucht, durch Einführung der Kettenschifffahrt auch fluss-aufwärts von Frankfurt den Verkehr auf dem Main zu verbessern.

Bild Schiff "Muräne"

Das erste Kettenschiff fuhr im Jahre 1886 von Mainz bis Aschaffenburg. Der Kettenschlepper zog sich an einer im Main verlegten Kette vorwärts, wobei die Kette am Bug des Schleppers aus dem Main gehoben wurde und am Heck des Schleppers wieder im Main versank. Der Kettenschlepper zog mehrere Schleppkähne und erreichte zu Berg eine Geschwindigkeit von etwa vier bis fünf Kilometer pro Stunde.
Es stellte sich jedoch heraus, dass der Verkehr auf dem Main auch in dieser Weise nicht bewältigt werden konnte.

Die Stadt Offenbach wollte ebenfalls die Vorteile eines vollwertigen Wasserstraßenanschlusses nutzen. In einer Übereinkunft vom 15. Februar 1897 zwischen dem Königreich Preußen und dem Großherzogtum Hessen wurde die Fortführung der Stauregelung des Mains oberhalb Frankfurt vereinbart. Die Staustufe Offenbach mit Schleuse, Wehr und Floßgasse wurde 1900 fertiggestellt, der neue Hafen der Stadt Offenbach konnte im Jahre 1902 dem Betrieb übergeben werden.


Auch die 17 km oberhalb Offenbach liegende preußische Stadt Hanau strebte inzwischen an, durch abermaliges Fortsetzen der Mainkanalisierung einen Anschluss an die Rheinwasserstraße zu erlangen. Am 21. April 1906 wurde eine Übereinkunft wegen der Kanalisierung des Mains von Offenbach bis Aschaffenburg abgeschlossen. Von Offenbach bis Hanau wurden die Staustufen Mainkur und Kesselstadt, im weiteren Verlauf bis Aschaffenburg die 4 Staustufen Krotzenburg, Großwelzheim, Kleinostheim und Mainaschaff mit entsprechenden Anlagen errichtet.

In den Jahren nach dem 1. Weltkrieg wurde aufgrund der damaligen Kohleknappheit der Plan einer Wasserkraftnutzung auf der ausgebauten Mainstrecke von der Mündung bis Frankfurt aufgegriffen. Gleichzeitig wurde mit Rücksicht auf die steigende Verkehrsentwicklung eine Verbesserung der Wasserstraße geplant. Ab 1929 wurde die Strecke zwischen Kostheim und Frankfurt völlig umgebaut. Die fünf alten Staustufen in diesem Streckenabschnitt wurden durch drei neue moderne Anlagen mit zwei nebeneinander liegenden Schleusenkammern in Kostheim, Eddersheim und Griesheim ersetzt.

Von 1940 – 1948 ruhten die Baumaßnahmen an der Wasserstraße. In der Zeit von 1949 – 1957 wurde dann die Staustufe Offenbach erneuert, wobei eine zusätzliche Schleusenkammer mit 110 m Nutzlänge und einer Breite von 13 m errichtet wurde.

Von 1963 – 1973 wurden die drei Staustufen Großwelzheim, Kleinostheim und Mainaschaff durch eine neue Staustufe in Kleinostheim ersetzt.

Es folgte ab 1974 die Modernisierung des Streckenabschnittes von Offenbach bis Großkrotzenburg. Die alten Staustufen Mainkur und Kesselstadt wurden durch die Staustufe Mühlheim ersetzt, die am 22.01.1980 in Betrieb genommen wurde. Die ehemalige Schleusenanlage Mainkur dient jetzt als Sportboothafen.

Für die alte Staustufe Krotzenburg wurde ebenfalls ein Neubau errichtet und 1983 fertiggestellt.

An allen Staustufen bis auf Krotzenburg werden Wasserkraftwerke betrieben.